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Künstler/-in Malerei

Englisch
Marcel Petry - Bilder und Zeichnungen
 
Den Verschiebungen in Marcel Petrys Portraits ist nichts expressives zu
eigen. Es sind keine psychologischen Verzerrungen, die innere Verwirr-ungszuständen nach Außen tragen, sondern es sind klare Schnitte und
exakte Hinzufügungen, die gerade durch den kühlen, fast sachlichen Habitus, mit dem sie durchgeführt sind, irritieren. Die Neugier über die fehlenden Teile zurrt dabei den ohnehin sehr vieldeutig angelegten Bild-inhalt noch dichter zusammen. Fast alle Personen sehen den Betrachter direkt an. Der Blick zurück wird jedoch konsequent verweigert: Ein Mädchen wirkt vollkommen entrückt, bei anderen verhindert das unmit-telbar über einem der Augen angebrachte dritte Auge den Blickkontakt. Ihre Umgebungen, detailgetreu gemalte Wandoberflächen, Heimtext-ilien und Mobiliar, wecken diffuse Assoziationen zu eigenen und fremden Geschichten. Fast scheint es, als müsse man sich um das
Schicksal der Protagonisten Sorgen machen. Wer jedoch im Bild die Antwort darauf sucht, wird gnadenlos auf sich selbst zurückgeworfen.
 
Die selbe Mischung aus formaler Präzision und vielgesichtiger Narration
kennzeichnet auch die Bleistiftzeichnungen Petrys. Die von Großstadt-rittern und anderen surrealen Wesen bevölkerten Tableaus erinnern an Malbuchvorlagen oder Comicstrips, mit dem Unterschied, dass die erzählerische Bewegung, die im Comic durch die Abfolge von Szenen entsteht, hier durch die Wiederholung von bestimmten Motiven im Einzelbild selbst erzeugt wird. Durch diese Form des Samplings werden Arbeitsweisen am Computer zitiert, ohne das seine technischen Möglichkeiten zur Anwendung kommen. Ähnlich wie bei den in Acryl
gemalten Bildern lebt auch die Spannung in den Zeichnungen von der
Gleichzeitigkeit von eigenwilligen Konstruktionen, unglaublichen Geschichten und einer bestimmten, formalen Perfektion in der Umsetzung.
 
Text, Britta Peters
Marcel Petry